Europäischer Aal – mysteriöser Wanderer

Aal
Im Laufe seines Lebens nimmt der Aal verschiedene Färbungen an

Der „Fisch des Jahres 2025“ (Deutscher Angelfischerverband e.V.) existiert Schätzungen zufolge schon seit über 70 Millionen Jahren und hat damit laut dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) die Dinosaurier und mehrere Eiszeiten überlebt. Seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Bestände jedoch um bis zu 90 Prozent dramatisch zurückgegangen. Hauptursachen sind Überfischung und eine immer schwierigere Durchgängigkeit von Gewässern. Wasserkraftwerke und Dämme behindern Aale bei ihren Wanderungen und können sogar zu tödlichen Fallen werden.

Merkmale

Aal
Aale haben schlangenartige Körper

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) gehört zur Familie der Aale (Anguillidae). Er hat einen schlangenartigen Körper, der am Schwanz etwas abgeflacht ist. Ausgewachsene Weibchen werden mit bis zu 150 Zentimetern und sechs Kilogramm Gewicht größer als Männchen, die nur maximal 60 Zentimeter erreichen.

Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind zu einem durchgängigen Flossensaum zusammengewachsen. Der Europäische Aal hat außerdem zwei kleine Brustflossen, vor denen die schmalen Kiemenspalten liegen. Die dicke Haut weist kleine Rundschuppen auf und ist mit einer Schleimschicht überzogen.

Die Färbung hängt vom Entwicklungsstadium ab: Die Unterseite ist beim Gelbaal gelb, beim erwachsenen Blankaal weißlich bis silbern. Die ganz jungen Glasaale sind fast durchsichtig.

Die Oberseite wiederum changiert zwischen schwarz und dunkelgrün. Kurz vor der Geschlechtsreife vergrößern sich die Augen. Der Europäische Aal hat feine, bürstenartige Zähne und einen hervorragenden Geruchssinn.

Lebensraum und Nahrung

Fluss
Der Aal bevorzugt Flüsse, Bäche und Seen mit schlammigen Böden

Die Sargossesee, ein Meeresgebiet zwischen Florida und den Bahamas, ist der Geburtsort der Europäischen Aale. Diese lassen sich nach dem Schlüpfen im so genannten Weidenblattstadium vom Golfstrom in den nördlichen Atlantik treiben und sind dort lange Zeit unterwegs: Nach etwa drei Jahren erreichen sie europäische Gewässer. Somit hat der Europäische Aal ein großes Verbreitungsgebiet, zu dem die Küsten des Nordatlantiks, das Mittelmeer und das Schwarze Meer, die Nord- und Ostsee und vor allem Binnengewässer mit Verbindung zum Meer gehören. Als Lebensraum bevorzugt er Flüsse, Bäche und Seen mit Sand- und Schlammböden, in denen er sich tagsüber aufhält.

Als Wanderfisch ist er während seiner langen Reisen und Entwicklungsstadien sowohl in Süß- als auch in Salzwassergebieten zuhause, auch das Brackwasser der Ostsee sucht er auf. In der Dämmerung und Nacht jagt er allein an der Wasseroberfläche nach kleinen Fischen und Wirbellosen. Er ernährt sich u. a. von Insekten, Würmern, Krebstieren, Schnecken, Insektenlarven und Fischlaich. Auch frisches Aas verschmäht er nicht.

In ihrem letzten Lebensabschnitt wandern Europäische Aale zurück zum Meer und von da aus die etwa 5.000 Kilometer zurück zur Sargossesee. Während der gesamten Reise nimmt der Aal keinerlei Nahrung zu sich und sein Verdauungssystem bildet sich zurück, er wird nun Blankaal genannt. Für die Wanderung nutzt er Energie aus seinen angefressenen Fettreserven.

Lebensweise und Fortpflanzung

Der Lebenszyklus des Europäischen Aals ist bis heute nicht vollständig erforscht. Fakt ist, dass er mit sechs bis neun (Männchen) bzw. 12 bis 15 (Weibchen) Jahren geschlechtsreif wird. Danach wandert er nach mehrjährigem Aufenthalt in europäischen Binnengewässern im Herbst zurück zur Sargassosee, wo er zwischen März und Juli laicht. Danach versterben die Elterntiere und der Kreislauf beginnt von neuem: Die frisch geschlüpften Aale driften mit dem Golfstrom in Richtung Europa, wo sie mindestens bis zur Geschlechtsreife bleiben. Sie können jedoch auch 20 bis 50 Jahre alt werden.

Aale laichen also nur ein einziges Mal am Ende ihres Lebens ab. Wird dieser Kreislauf durch Überfischung und Verbauung der Durchgangsgewässer gestört, bringt dies die Bestände empfindlich durcheinander.

Gefährdung und Gefahren

Damm
Dämme und Wasserkraftwerke machen Gewässer für Aale unpassierbar

Die Bestandsgröße des Europäischen Aals befindet sich laut WWF auf historischem Tiefstand. Die Weltnaturschutzunion hat ihn als „vom Aussterben bedroht“ gelistet, außerdem steht er im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) und auf der OSPAR-Liste bedrohter Tierarten. In Deutschland wird er auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt.

Sein besonderer Lebenszyklus macht ihn extrem anfällig für Überfischung. Der Aal ist ein äußerst beliebter Speisefisch und wird in allen Entwicklungsstadien legal und illegal gefangen. Vor allem das Abfischen von Glas-, Gelb- und Silberaalen setzt den Beständen massiv zu. Die EU hat laut BUND im Jahr 2007 deswegen ein Import- und Exportverbot sowie ein Fangverbot in europäischen Gewässern erlassen, wobei das Fangverbot nur für drei Monate pro Jahr gilt.

Ein weiteres Problem ist der Bau von Wasserkraft- und Pumpanlagen sowie Dämme, die seine Wanderungen und somit den natürlichen Entwicklungskreislauf behindern. Nicht selten verfangen sich Aale auch in diesen Anlagen und werden zerschreddert. Die Umwandlung von Flüssen in Verkehrwege mit Schiffsverkehr beeinflusst außerdem die Strömung, so dass vor stromaufwärtswandernde Glasaale nicht dagegen ankommen.

Der illegale Import von Aalen aus Asien hat außerdem dazu geführt, dass der Schwimmblasenwurm mit eingeschleppt wurde. Dieser befällt die Schwimmblase der Europäischen Aale so massiv, dass sie ihre Wanderungen zu den Laichgewässern nicht mehr fortsetzen und sich somit nicht mehr fortpflanzen können.

Zurück